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Die Welt unter der Glocke - 3 Artikel zum Weltklima

Auswirkungen des Klimawandels (hier)

Zum Erfolg verdammt - Klimagipfel 2001 in Bonn (hier)

Daten des Klimawandels in Europa (hier)


Das Eis schmilzt ... Auswirkungen des Klimawandels

Für alle die, die immer noch nicht an globalen Klimawandel glauben wollen, gibt es seit kurzem neue Fakten schwarz auf weiß. Das zu diesem Zweck gegründete Wissenschaftsgremium der Vereinten Nationen findet in seinem neuesten Bericht starke Worte. Für den Einfluß des Menschen auf das Weltklima gibt es „neue und stärkere Beweise". Zudem verläuft die Erwärmung noch schneller als bisher angenommen, heißt es in einem Ende Januar veröffentlichten Report. Der „3. Sachstandsbericht" der klimawissenschaftlichen Arbeitsgruppe des „Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)", so der offizielle Titel, besagt, daß die durchschnittliche Erdtemperatur zwischen 1990 und dem Jahr 2100 zwischen 1,4 und 5,8 °K ansteigen wird - je nachdem, wieviel Treibhausgase emittiert werden. Mit diesen Zahlen korrigierte das Gremium seine eigenen Berechnungen aus dem Jahr 1995 (1 - 3,5 °K) entscheidend nach oben. Bei Fortsetzung der herrschenden Trends bedeutet dies die schnellste Temperaturänderung der vergangenen 10000 Jahre - und das mit erheblichen Folgen. Bereits jetzt sind z.B. eine Abnahme der Schneedecke in Gebirgen und dünnere Eisschichten in der Arktis meßbar, was laut IPCC zu einem Anstieg des Meeresspiegels um fast einen Meter bis zum Jahr 2100 führen könnte. In letzter Konsequenz wird das den Untergang einiger Inselstaaten und niedriger Küstengebiete bedeuten. Zu den absehbaren Folgen des Klimawandels veröffentlichte das IPCC ebenso einen aktualisierten Bericht der zuständigen AG. Demzufolge ist langfristig zu erwarten, daß sowohl arme als auch reiche Länder, neben massiven Überschwemmungen und einhergehenden Krankheiten, auch von Dürre und Wasserknappheit in den kommenden Jahrzehnten betroffen sein werden, sofern es nicht gelingt, der vom Menschen verursachten Erderwärmung Einhalt zu gebieten.

Entwicklungsländer tragen verstärkt die Folgen

Am schlimmsten werden Entwicklungsländer von diesen zu erwartenden Katastrophen betroffen sein, denn neben ihrer geographischen Lage können sich diese (finanziell) am wenigsten an die veränderten Gegebenheiten anpassen. Durch die ungleiche Verteilung der Folgen des Klimawandels deutet sich eine umweltbedingte Verschärfung sozialer Konflikte an - nicht nur zwischen Nord und Süd, sondern auch innerhalb einzelner Staaten. Für einzelne Weltregionen gibt der Bericht detaillierte Szenarien an. So stellen die Wissenschaftler/Innen fest, daß es in den Ländern der nördlichen Hemisphäre wahrscheinlich wärmer werden wird, was eine Erhöhung an Todesfällen bei Hitzewellen in Städten nach sich ziehen würde, ebenso wie die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria und tödliche Virusinfektionen, die bisher nur in tropischen Gebieten auftreten. In Afrika, dem am schwersten betroffenen Kontinent, könnte die Krankenzahl weiter dramatisch in die Höhe gehen, besonders in dicht besiedelten Städten entlang der Küste, die mit steigendem Meeresspiegel ebenso verstärkt mit Überschwemmungen rechnen müssen. Es wird erwartet, daß die Mangrovenwälder in Asien, die Flüsse und Meeresbänke schützen, überschwemmt werden - insbesondere in Bangladesh. Waldbrände könnten sich häufen und ein wärmeres Klima könnte für eine verstärkte Ausbreitung an infektiösen Krankheiten sorgen. Das Abschmelzen von Gletschern im Himalaya, die die Flußsysteme in Indien mit Wasser speisen, welche ungefähr 500 Millionen Menschen mit Wasser versorgen, könnte immense Überschwemmungen und darauffolgend massive Wasserknappheit verursachen. Im Nahen Osten könnte ein Austrocknen der Flüsse zu weiteren politischen Spannungen führen und schlimmstenfalls könnte dies in neuen Kriegen um die noch vorhandenen Wasserressourcen enden. Ungeachtet dieser Bekräftigung durch neueste Forschungserkenntnisse benutzte US-Präsident Bush in einem Brief an Klima - Skeptiker Anfang März das Argument, der Status der Erkenntnis zum Klimawandel sei »unvollständig«, als Rechtfertigung dafür, keine gezielten Treibhausgasreduktionen einzuleiten. Zugegeben die Berichte des IPCC sind sehr umfassend und technisch. Auf der Webseite des Gremiums (www.ipcc.ch) sind jedoch für Interessierte Zusammenfassungen in verständlicher Sprache erhältlich. In Washington weiß das offenbar keiner.

Aus Ö-Punkte 2/2001 Ludwigstr.11, 35447 Reiskirchen-Saasen

Internet zu allen Klimaaktionen www.risingtide.de


 

Zum Erfolg verdammt: Klimagipfel 2001 in Bonn

Ein paar Tausend Menschen kommen im Juli in Bonn zusammen, um nach mehr als zehn Jahren harter und intensiver Verhandlungen die Umsetzung des Kyoto-Protokolls zu besiegeln. Dies würde den Einstieg in ein weltweites Klimaschutzregime bedeuten, das die Industrieländer - also diejenigen Länder, die für über 90 Prozent der in der Atmosphäre befindlichen menschenverursachten Treibhausgase verantwortlich sind - im ersten Schritt bis zum Jahr 2012 zu moderaten Reduktionszielen verpflichtet. Ein paar Milliarden Menschen arbeiten (implizit) dagegen - mit ihren Handlungen, Wünschen und Träumen zur Selbstverwirklichung: soviel Geld wie möglich haben, ein Eigenheim im Grünen, ein oder mehrere Pkw in der Garage, jedes Jahr ein paar Kurzreisen mit dem Flugzeug, auch Fernreisen und warum nicht vielleicht am Ende gar in den Weltraum ...? Deren "Interessenvertreter" sind auch in Bonn dabei, und sie setzen sich heftig ein, daß die jetzige Wirtschaftsweise mit ihrem Überkonsum, viel zu hohem Energieverbrauch und den nicht-nachhaltigen Konsummustern erst einmal fortgeführt werden kann. Der Präsident des Klimagipfels in Bonn, der niederländische Umweltminister Jan Pronk, muß mit seinen inhaltlichen Vorschlägen so im Zentrum des Möglichen liegen, daß ihm und uns allen nicht der gesamte Prozeß um die Ohren fliegt.

Das ist eine äußerst delikate Aufgabe.

Er - wie auch jeder mit diesem Prozeß Befaßte - weiß, daß die Reduktionsziele des Kyoto-Protokolls für die erste Verpflichtungsperiode (sie endet im Jahr 2012) nur ein bescheidener Einstieg in den weltweiten Klimaschutz, nur ein allererster Schritt in einem globalen Klimaschutzmarathon sind, der uns noch tief in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts führt - mit dem Ziel, die weltweiten Treibhausgasemissionen mehr als zu halbieren. Das Ziel der Bonner Verhandlungen ist also nicht, angemessene Emissionsreduktionen im weltweiten Klimaschutz festzulegen - die Reduktionswerte liegen bereits seit Kyoto fest. Ziel ist es, einen rechtsverbindlichen Einstieg in den weltweiten Klimaschutz zu finden. Dieser würde es immerhin noch einigermaßen realistisch erscheinen lassen, daß bis Mitte des Jahrhunderts tatsächlich die notwendigen Emissionsreduktionen erreicht werden können, wenn jetzt die notwendige Dynamik ausgelöst würde. Das Delikate in der Aufgabe von Pronk ist also nicht, möglichst anspruchsvolle Ziele und Durchführungsbestimmungen zu formulieren - das wäre einfach. Würde er dies (also das, was die Nichtregierungsorganisationen immer fordern) tun, wäre ein Scheitern der Konferenz nicht nur absehbar, sondern sicher. Das Delikate in seiner Aufgabe liegt darin, einen Vorschlag zu unterbreiten, dem alle für ein Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls wichtigen Akteure zustimmen können - Konsens ist ja notwendig: sowohl diejenigen, die relativ anspruchsvollen Klimaschutz unterstützen (etwa die Europäische Union), als auch die, die sich zwar verbal für internationalen Klimaschutz aussprechen, aber real so wenig wie nur möglich tun wollen (etwa Japan). Doch damit ist nicht genug. Gleichzeitig muß er noch diejenigen Industrieländer, die die Klimaänderung als sehr ernstes Problem sehen, aber selbst am liebsten gar nichts tun wollen (das sind die USA, Australien und Kanada), davon abhalten, daß sie völlig destruktiv auftreten und (obwohl sie schon heute sagen, daß sie das Kyoto-Protokoll nicht ratifizieren wollen) gar einen Konsens verhindern. Diese Fußlahmen über kurz oder lang zu wirklichem Klimaschutz zu zwingen, das ist die wichtigste Funktion eines internationalen Abkommens.

Ausführungsbestimmungen festlegen

Ein Konsens in Bonn ist die Voraussetzung dafür, daß die Industrieländer die Ratifizierung des Protokolls zu Hause angehen mit dem Ziel, daß das Protokoll im Jahr 2002, also 10 Jahre nach der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, in Kraft tritt. Dies ist auch ohne die USA möglich, ja nicht einmal Australien und Kanada müssen dazu ratifizieren. Für das Inkrafttreten des Protokolls reichen die Ratifizierungsurkunden der EU, der assoziierten mittel- und osteuropäischen Staaten sowie von Rußland und Japan. Doch das geht nur, wenn der Gipfel in Bonn die Ausführungsbestimmungen des Protokolls festlegt. Gelingt das nicht, gewinnen schnell die Kräfte die Überhand, die - wie der US-Präsident Bush - den ganzen Prozeß beerdigen möchten. Ein solches Scheitern würde den Prozeß internationalen Klimaschutzes um viele Jahre zurückwerfen. Und es würde aus Wettbewerbsgründen auch viel Dynamik aus den Klimaschutz-Bemühungen in Europa herausnehmen.

Entscheidung notwendig

Die Unterhändler in Bonn sind also zum Erfolg verdammt. Ohne ein Ergebnis in Bonn droht ein Scheitern des gesamten Prozesses, der die besten weltweit mit dem Klimaschutz befaßten Kräfte über die letzten 10 Jahre intensiv beschäftigte und der bereits weitgehend ausgestaltet ist. Es gibt keine "zweite Mannschaft", die darauf wartet, zum Einsatz zu kommen, damit ihre Vorschläge im Klimaschutz umgesetzt werden. Ein anderes Übereinkommen zum Klimaschutz zwischen den Hauptverursacherländern der Treibhausgasemissionen ist weit und breit nicht in Sicht. Auch der Papst oder der Dalai Lama oder sonst wer könnten, selbst wenn sie das Problem sehr dringlich fänden, kaum etwas bewegen. In der Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren, angestoßen durch das Kyoto-Protokoll, zum Glück einiges Richtung Klimaschutz getan - manche sagen sogar: mehr als in der Politik. Doch wie bereits nach dem gescheiterten Gipfel in Den Haag festzustellen ist, ist zu befürchten, daß diejenigen Stimmen in Unternehmen, die sich für Klimaschutz aussprechen, durch ein Scheitern der Bonner Verhandlungen zurückgedrängt würden. Denn ohne die richtigen staatlichen Rahmenbedingungen, die ein in Kraft befindliches Kyoto-Protokoll nach sich zöge, kann kaum ein Unternehmen auf Dauer Klimaschutz betreiben. Die Leidtragenden eines Scheiterns wären vornehmlich die Menschen in Entwicklungsländern. Sie - etwa die Subsistenzbauern und die städtischen Armen - sind schon heute Opfer des Klimawandels, und sie können sich am wenigsten gegenüber dem von der Klimaänderung ausgehenden Streß (etwa vermehrte Dürreperioden, Hitzewellen, zunehmende Verbreitung von Krankheiten) schützen. Um ihnen ihr Leben nicht noch schwerer zu machen, als es jetzt schon ist, ist der Gipfel in Bonn zum Erfolg verdammt.

Manfred Treber GERMANWATCH, www.germanwatch.org


 

Daten des Klimawandels in Europa: Kenntnisse reichen aus, um effektive Maßnahmen zu ergreifen

Im März diesen Jahres verabschiedete die Deutsche Meteorologische Gesellschaft unter Federführung von Prof. Schönwiese und Mitwirkung der ausgewiesenen Klimawissenschaftler Claussen, Cubasch, Grassl, Rahmstorf u.a. eine neue Stellungnahme zum Klimawandel. Die Erklärung betont den wissenschaftlichen Kenntnisstand und die Notwendigkeit, baldig effektive Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Der Likedeeler dokumentiert die von GERMANWATCH geringfügig gekürzte Kurzfassung der Erklärung. "In Übereinstimmung mit den Verlautbarungen internationaler Gremien und auf der Grundlage der in Deutschland erarbeiteten umfangreichen Ergebnisse der Klimaforschung weist die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) darauf hin, daß die beobachteten weltweiten Klimaänderungen andauern. Vielfach haben sie sich in den letzten beiden Jahrzehnten sogar verstärkt. Dabei war im globalen Mittel 1998 nicht nur das wärmste Jahr seit dem Beginn der systematischen weltweiten Messungen (1856), sondern aufgrund indirekter Rekonstruktionen nordhemisphärisch sogar mindestens der letzten 1000 Jahre. Im 20. Jahrhundert ist der Temperaturanstieg in Deutschland mit 0,9 °C gegenüber global gemittelt etwa 0,6 °C überdurchschnittlich groß und das Jahr 2000 das wärmste seit 1761 gewesen. Beim Niederschlag sind innerhalb Europas eine Zunahme in Skandinavien und eine Abnahme im Mittelmeergebiet am signifikantesten. In Deutschland steht einem deutlichen Anstieg der Winterniederschläge eine leichte Abnahme der Sommerniederschläge gegenüber. Im einzelnen sind die Klimaänderungen aber sehr vielfältig, weil sich nicht nur Langfristtrends, Fluktuationen und relativ kurzfristige Anomalien sowie Extremereignisse überlagern, sondern auch ausgeprägte regional-jahreszeitliche Besonderheiten auftreten. (...) Auch wenn die Ursachen der beobachteten Klimaänderungen kompliziert sind und die Rolle der natürlichen Klimaänderungen noch keinesfalls ausreichend geklärt ist, geht die globale Erwärmung der letzten 100 - 150 Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit auf menschliche Aktivitäten zurück, insbesondere auf den ständig gestiegenen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen klimawirksamen Spurengasen in Zusammenhang mit der Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas, einschließlich Verkehr) und Waldrodungen. Falls die Emission dieser Gase weiterhin ähnlich stark ansteigt wie bisher, wird für die kommenden 100 Jahre im globalen Mittel ein Temperaturanstieg von 1,4 - 5,8 °C befürchtet. Die große Bandbreite dieser Abschätzungen erklärt sich überwiegend aus den Unsicherheiten der Zukunftsszenarien menschlicher Aktivitäten, aber auch den noch immer bestehenden Schwächen der Klimamodellierung. Daher müssen unter anderem die Effekte von Wolken und atmosphärischen Partikeln in der Atmosphäre, das ozeanische Strömungssystem sowie die Rolle der Ökosysteme im Klimageschehen noch wesentlich besser verstanden werden. Weiterhin muß es gelingen, zu verläßlicheren Aussagen hoher regionaler Auflösung zu kommen und das zeitliche Schwankungsverhalten, einschließlich dem Auftreten von Extremereignissen, realistischer wiederzugeben. Es gibt somit noch viele offene Fragen der Klimadiagnostik, Klimamodellierung und nicht zuletzt der ökologisch-sozioökonomischen Auswirkungen von Klimaänderungen. Dies erfordert verstärkte Anstrengungen in der gesamten Bandbreite der Klimaforschung, wobei bei aller Notwendigkeit anwendungsbezogener Forschung die Grundlagenforschung nicht vernachlässigt werden darf. Andererseits reichen die derzeitigen Kenntnisse zweifellos aus, um international abgestimmte, effektive und baldige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit sind dazu aufgefordert, sich mit allem Nachdruck dafür einzusetzen. Dies betrifft auch und insbesondere die Konkretisierung der UN-Klimarahmenkonvention (Rio de Janeiro, 1992) und die Umsetzung des Kyoto-Protokolls (3. Vertragsstaatenkonferenz, 1997). Der Mißerfolg von Den Haag (Nov. 2000) muß überwunden werden, wenn diese 6. Vertragsstaatenkonferenz im Juli 2001 in Bonn fortgesetzt wird."

Quelle: www.met.fu-berlin.de/dmg/dmg_home/ks_2001_k.html

Langfassung: www.met.fu-berlin.de/dmg/dmg_home/ks_2001_l.html


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